Was ist Yoga ?

Der Begriff „Yoga“ bedeutet „Verbinden“und steht für „Einheit“. Er leitet sich von dem Sanskritwort yuj ab, was „verbinden“ oder „vereinigen“ bedeutet.
Vereinigung beinhaltet das Überwinden von Hindernissen und Trennendem. Es kann als das Lösen von Blockaden im Körperlichen oder auch als Bewältigung von Konflikt und Zwiespalt allgemein verstanden werden. Auf der spirituellen Ebene drückt Yoga die Verbindung des individuellen mit dem universellen Bewusstsein aus.

Im Hinblick auf das gesundheitliche Wohlbefinden bedeutet Yoga die Harmonisierung von Körper, Geist und Emotionen. Hier ist das Ziel die unterschiedlichen Körperfunktionen in Übereinstimmung zu bringen, so dass sie zum Wohle des Ganzen zusammenarbeiten. Die körperliche Ebene wird so zur Basis, von der aus auch geistige und emotionale Bereiche ins Gleichgewicht gebracht werden können. Vereinigen ist in diesem Sinne eine Harmonisierung, die die verschiedenen Bereiche durch Übereinstimmung miteinander vereint.

Swami Shivananda definiert den Yoga als „… Integration und Harmonie zwischen Gedanken, Worten und Taten“.

Definition des Yoga laut Yoga-Sutra:  „Yoga beruhigt den Geist.“

Zur Geschichte des Yoga

Zur Geschichte des Yoga

Yoga ist sehr alt. Hinweise sind in tantrischen und vedischen Texten gegeben und schimmern aus frühen Überlieferungen, wie dem Mahabharata.

Abgesehen von schriftlichen Zeugnissen deuten archäologische Funde der frühen Zivilisation im Indus-Tal sogar auf die vorvedische Zeit.

Nach Ansicht der Bihar School of Yoga entwickelte sich der Yoga, wie wir ihn heute kennen, aus einer frühen Zivilisation, die in Indien sowie auch anderen Teilen der Erde vor mehr als zehntausend Jahren existierte.

Berücksichtigt man Informationen die in Symbolik und Gestaltung überliefert sind, so können archäologische Funde hier in der Tat zu denken geben. Der Ursprung des Yoga mag tief in archetyischen Strukturen wurzeln und in der eigenen Existenz verborgen liegen.

Seit dem 1. Dezember 2016 ist Yoga als Weltkulturerbe der UNESCO verzeichnet und erinnert an die kulturgeschichtliche Bedeutung.


Der achtfache Pfad des Yoga

Der achtfache Pfad des Yoga

Die erste strukturierte Gliederung und Zusammenfassung eines vollständigen Yoga-Systems ist durch den Gelehrten Patanjali überliefert. Um 200 vor Christi beschreibt er mit dem Yoga-Sutra den Raja Yoga, den Königsyoga.

Er wird häufig als achtfacher Pfad bezeichnet. Diese acht Glieder sind:

1. Yama  – ethische Grundlagen, Achtung der Mitmenschen

(ahimsa – Gewaltfreiheit; satya – Ehrlichkeit; asteya – nicht stehlen; brahmacharya – reiner Lebenswandel; aparigraha – Unbestechlichkeit)

2. Niyama – Grundlagen der Selbstachtung

(saucha – Reinlichkeit; santosha – Zufriedenheit, erwartungsfrei; tapas – Selbstdisziplin; swadhyaya – Selbststudium; ishwara pranidhana – Annehmen seines Schicksals, Urvertrauen)

3. Asana – eine Körperhaltung, in der man in sich gefestigt lange verweilen kann

4. Pranayama – bewusster Umgang mit Prana und Ausdehnung dieser vitalen Energie

5. Pratyahara – Kontrolle der Sinne

6. Dharana – Konzentration

7. Dhyana – Meditation

8. Samadhi – reines Bewusstsein

Das Wort „Sutra“ bedeutet Faden und das Yoga-Sutra bildet den Leitfaden zur Orientierung auf dem Weg des Yoga.

Es gibt unterschiedliche klassische Ausrichtungen, wie Jnana Yoga (philosophisch-logische Vorgehensweise), Karma Yoga (ein Weg des uneigennützigen und selbstlosen Handelns), Bhakti Yoga (ein Weg der Liebe und Hingabe) oder Laya Yoga (Arbeit mit inneren Tönen und Licht). Je nach Veranlagung kann der Weg so entsprechend der individuellen Bedürfnisse unterschiedliche Ausrichtungen finden.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist Hatha Yoga zum bekanntesten Weg geworden. Überlieferten Texten zufolge beinhaltete Hatha Yoga ausschließlich Reinigungspraktiken, die Shatkarmas. Inzwischen umfasst der Begriff unterschiedliche körperliche Übungen und Atemtechniken, ein Konzept, das auf das 15. Jahrhundert zurück geht.


Yogaübungen

Yogaübungen

Yogaübungen, die körperlichen Stellungen, werden allgemein als Asanas bezeichnet.

Das Yoga-Sutra definieren Asana als Haltung, in der man angenehm und in sich gefestigt verweilen kann. Es werden keine speziellen Stellungen genannt sondern der Seinszustand, in dem man sich in seiner Haltung befindet.

Im Hatha Yoga sind mit dem Begriff Asana jedoch ganz bestimmte Körperhaltungen gemeint. So heißt es im Hatha Yoga Pradipika (1:17) „Durch Asana wird Festigkeit im Körper und im Geist, sowie Freiheit von Krankheit und Beweglichkeit der Gliedmaßen erlangt“. Man kann dies so verstehen, dass die Übungen des Hatha Yoga die körperlichen Fähigkeiten entwickeln helfen, die es ermöglichen überhaupt in einer Haltung länger angenehm verweilen zu können.

Das Thema beinhaltet einiges, was einer genaueren Betrachtung wert ist.

Das Besondere an diesen Asanas ist auf jeden Fall, dass dabei durch die Haltung des Körpers Energiebahnen und Energiezentren angesprochen werden.

Ähnlich wie im Chinesischen, wo die Energie Chi oder Ki genannt wird, geht man auch im Yoga von einer vitalen Energie aus, die den Körper durchströmt. Die Energie Prana ist hier von zentraler Bedeutung. Sie bestimmt die zellulare Aktivität und wird auch als Verbindung von geistigen Vorgängen zu körperlichen Prozessen verstanden.


Die Beziehung von Körper und Geist

Die Beziehung von Körper und Geist

Körperliche und geistige Vorgänge werden im Yoga nicht als getrennt voneinander gesehen. Der Körper wird hier als ein vielschichtiges Gewebe verstanden, das in seinem Spektrum vom Grobstofflichen bis hin zu feinstofflichen Ebenen reicht.

So basiert auch Yoga Therapie auf dieser Grundlage der verschiedenen Schichten des Körpers. Sie sind als die fünf Hüllen oder Koshas überliefert.

Die fünf Koshas:

1. Annamaya Kosha

Anna bedeuted Nahrung. Es ist die Nahrungshülle und bezieht sich auf die physische Basis, den grobstofflichen Körper.

2. Pranamaya Kosha

Die Hülle der vitalen Energie Prana ist ein feineres Gewebe, das den Körper durchzieht und hier alle Bewegungen und Prozesse steuert. Sie beinhaltet auch die Energiezentren des Körpers, die Chakras.

3. Manomaya Kosha

Diese geistig-emotionale Hülle ist ein noch feineres Gewebe und beinhaltet Erinnerungen. Diese Erfahrungsmuster oder psychische Prägungen resultieren in Vorlieben und Abneigungen. Sie steuern Verhaltensweisen und beeinflussen aus yogischer Sicht auch die Strömung von Prana.

4. Vijnanamaya Kosha

Die Weisheitshülle entspricht geistigen Fähigkeiten, die es ermöglichen die geistig-emotionalen Vorgänge zu überblicken. Sie beinhaltet geistige Klarheit und Unterscheidungsvermögen.

5. Anandamaya Kosha

Die Hülle der Glückseligkeit gilt als geistige Verfassung bei der alle trennenden Faktoren überwunden sind, die somit auch kein Leid beinhaltet, ein Zustand von Harmonie und Einheit.


Yoga in unserer Zeit

Yoga in unserer Zeit

Heute wird Yoga häufig als das Praktizieren von körperlichen Übungen verstanden. Für viele Menschen ist es einfach ein Mittel um die Gesundheit zu erhalten und in der zunehmend angespannten Gesellschaft eine Möglichkeit zur Entspannung zu finden. Yogaübungen, die sogenannten Asanas, helfen dabei das Körpergefühl zu verbessern. Physisches Unbehagen, das sich während einem Tag auf dem Bürostuhl oder in anderen unnatürlichen Haltungen festgesetzt hat, kann durch diese körperlichen Übungen gelöst werden. Entspannungstechniken verstärken die Wirkung der Asanas und unterstützen die innere Ausgeglichenheit. In unserem hektischen Alltag, mit zunehmendem Stress durch mediale Reizüberflutung, sich überschneidenden Terminen und klingelnden Mobilfunkkontakten, hat Yoga nicht nur einen großen Wert auf der persönlichen Ebene, sondern wirkt sich auch wirtschaftlich aus.

Man kann diese Entwicklung durchaus skeptisch sehen, aber vielleicht liegt auch gerade hier eine Lösung um das soziale Unbehagen und gesellschaftliche Konflikte zu überwinden.

In einer Zeit, wo die Welt ihre Orientierung verloren zu haben scheint und überlieferte Werte zerfallen, bietet Yoga eine Möglichkeit mit dem innersten Wesenskern in Verbindung zu gehen. Er zeigt, wie man auch im modernen Alltagsstress in seiner Mitte sein kann, sich Gelassenheit und Mitgefühl entfalten kann.

Yoga ist damit weit entfernt davon, einfach nur für körperliche Übungen zu stehen. Es ist ein Weg, der sowohl die innere als auch äußere Wirklichkeit umfasst.

Es ist ein Lebensweg, der nicht durch intellektuelles Verstehen, sondern aus der Praxis und der eigenen Erfahrung heraus sich entwickelt.


Yoga-Art

Yoga-Art

Yoga-Art ist durch Darstellungen, wie Mandalas, bekannt. Motive werden hier als Werkzeug verstanden und sind nicht nur in der Meditation von Bedeutung. Gerade auch die Auseinandersetzung mit körperlichen Verspannungen kann Erinnerungen an bestimmte Erfahrungen wecken und entsprechende Bilder ins Bewusstsein rufen.

Man könnte auch sagen, dass jede Verspannung ihre eigene Geschichte hat und Eindrücke darin gespeichert sind. So kann man zum Beispiel verspannte Muskeln im Nacken dehnen und lockern, aber ohne sich ins Bewusstsein zu rufen, was einem im Nacken sitzt, wird man sie vermutlich nicht wirklich lösen können.

Der Umgang mit inneren Bildern ist daher auch im Hatha Yoga von weit größerer Bedeutung, als es auf den ersten Blick erscheint.

 

 

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